Die Vertreibung aus Böhmen

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde mein Vater mit seinen Geschwistern und Eltern 1946 aus seiner angestammten Heimat vertrieben.

Bereits kurz nach dem Ende des Krieges wurden die Deutschen in Böhmen von den tschechischen „Siegern“ drangsaliert und nach und nach ihrer Rechte und Besitztümer enteignet. Dies führte soweit, dass sie eines Tages eine Aufforderung bekamen, ganz ihr Haus zu verlassen und „zurück in die Heimat“, (- die ja eigentlich nie ihre wahre Heimat war,) mit Zügen und Bahnen ins heutige Westdeutschland geschickt wurden.

Mitnehmen durften Sie damals nur wenige Kleidungsstücke, manche Quellen sprechen von 30 kg, andere 50 kg Gepäck.

Aus diesem Grunde versteckten auch viele Deutsche nach dem Krieg bei der Besetzung durch das tschechische Militär in Wäldern sowie Hohlräumen und doppelten Wänden Ihrer Häuser viele ihrer Habseligkeiten, von denen Sie wussten, dass sie Ihnen abgenommen werden würden, falls Sie entdeckt werden würden. Auch die Familie meines Vaters, so erzählt er noch heute, vergrub in Nähe des Hauses das Familienfahrrad im Wald unter Büschen und Steinen.

Angekommen im Westen Deutschland, bekamen die Flüchtlinge damals 30 (Reichs-)Mark als Startkapital in ihr neues Leben. Zunächst in einem Auffanglager, später bei Bauern auf einem Hof bei Bad Homburg einquartiert, verbrachte er hier seine Jugend. Auf diesem Hof lernte er auch schon früh mit zu arbeiten, und sicherlich kommt hier auch seine Abneigung gegen Geflügel, musste er doch schon als Kind ansehen (und vielleicht auch mithelfen), wie diese Tiere auf dem Hof geschlachtet wurden.

Auch die Bauern, bei denen die Familien zwangsweise eingewiesen wurden, waren sicherlich nicht glücklich über die Situation, Fremde bei sich im Hause beherbergen zu müssen. Sie waren jedoch immer nett und freundlich zu meiner Familie und hilfsbereit, eine Sache, die damals -(wie auch heute beim Umgang mit Flüchtlingen aus anderen Gebieten und Ländern)  leider nicht alltäglich war!

Mein Vater, der später meine Mutter, ebenfalls flüchtig aus Tichlowitz an der Elbe (Tschechien), heiratete, schuf aber hier in Bad Homburg in vielen, vielen Jahren harter Arbeit das, was er heute besitzt. Darauf bin ich sehr stolz! Heute können beide Ihr Leben geniessen, und hoffentlich bleiben Sie noch lange fit!